Geschichte

So speziell, dass es ihn nur alle sechs Jahre geben darf: der Kilchberger Schwinget.

An einem verregneten Sonntag im Jahr 1927 wurde die Vision von Dr. Emil Huber Wirklichkeit.

Der Jurist aus Kilchberg am Zürichsee, seit seiner Jugendzeit vom Schwingsport begeistert, hatte von einem Schwingfest geträumt, das gleichsam die Essenz des Schweizer Nationalsports zelebrieren sollte – den «Urkampf der Sennenschwinger auf der Alpenmatte», wie Huber schrieb.

Und so fand denn am 11. September 1927 auf einer Wiese in Hubers Heimatgemeinde mit 42 Teilnehmern bei strömendem Regen der erste Kilchberger Schwinget statt. Stolzer Tagessieger war kein Geringerer als Fritz Hagmann aus Winterthur-Seen, der 1924 Olympiasieger im Freistilringen im Mittelgewicht geworden war.

Der Austragungsort des Schwingfests war damals noch beim Sanatorium Kilchberg. Aber schon der zweite Wettkampf fand 1932 dort statt, wo der Kilchberger Schwinget auch heute noch durchgeführt wird: auf dem Gelände des mittlerweile gemeindeeigenen Gutsbetriebs «Uf Stocken», hoch über dem Zürichsee.

Wo sonst Kühe und Kälber grasen, Esel und Ziegen herumspringen und 1000 Hühner ihr tägliches Ei legen, sind jeweils etwa 70 Helferinnen und Helfer während zwei Wochen unermüdlich mit der Einrichtung des Festplatzes beschäftigt.
Nachdem der Wettkampf in früheren Zeiten nur unregelmässig stattfand, lädt der Schwingklub Zürich seit 1978 alle sechs Jahre nach Kilchberg ein. Jörg Abderhalden (2002), Christian Stucki (2008) und Matthias Sempach (2014) sind die letzten Tagessieger des Kilchberger Schwingets, der neben dem Eidgenössischen

Schwing- und Älplerfest und dem Unspunnen-Schwinget zum Schweizer Schwinger-Grand-Slam gehört.

Der nächste Kilchberger Schwinget findet – um ein Jahr verschoben – am 25. September 2021 statt und verspricht, speziell spannend zu werden. Denn der Wettkampf bietet die Möglichkeit zur Revanche nach dem Eidgenössischen Jubiläums-Schwingfest vom 5. September 2021.

Zwei Besonderheiten, die den Kilchberger Schwinget seit seinen Anfangstagen auszeichnen, werden auch seine 17. Austragung zu einem ganz speziellen Ereignis machen. Zum einen werden nur die 60 besten Schwinger der Schweiz eingeladen – im Schwinger-Jargon ehrfurchtsvoll die «ganz Bösen» genannt. Wer in Kilchberg antritt, kann also locker im Schlussgang jedes anderen Schwingfests stehen. Zum andern geht der Kilchberger Schwinget über nur sechs Gänge (und nicht wie das Eidgenössische über acht) – Durchhänger oder gar Aussetzer liegen also keine drin.

Und es gibt einen weiteren Grund für den besonderen Stellenwert des Kilchberger Schwingets. Neben den Schwingern sind nämlich auch die Zuschauer ausschliesslich auf Einladung dabei. Im Klartext: Die Vergabe der 12’000 Eintrittskarten erfolgt über den Eidgenössischen Schwingerverband, der diese im Verhältnis zu ihrer Grösse an die Schwingklubs weitergibt. Diese schenken die Eintrittskarten dann verdienten Mitgliedern.

Kurz: Der Kilchberger Schwinget ist nicht nur für die Besten der Bösen. Sondern auch für die Treuesten der Treuen.